Technik

KI-Modelle aus der Schweiz: Apertus und souveräne Inferenz

Souveräne KI ist keine Absichtserklärung mehr. Seit 2025 gibt es ein in der Schweiz entwickeltes offenes Sprachmodell und mehrere Anbieter, die Inferenz im Land betreiben.

Aktualisiert am 6 Minuten Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Apertus wurde am 2. September 2025 von ETH Zürich, EPFL und CSCS veröffentlicht, in den Grössen 8B und 70B unter Apache-2.0-Lizenz.
  • Trainiert auf 15 Billionen Token in über 1000 Sprachen, darunter Schweizerdeutsch und Rätoromanisch.
  • Offene Gewichte bedeuten, dass das Modell überall betrieben werden kann, auch in einem Schweizer Rechenzentrum.
  • Entscheidend für die Datenhoheit ist, wo die Inferenz läuft, nicht woher das Modell stammt.

Lange lautete das Gegenargument gegen souveräne KI, es gebe schlicht keine brauchbaren Modelle ausserhalb der grossen amerikanischen Anbieter. Das stimmt seit einiger Zeit nicht mehr. Offene Modelle haben aufgeholt, und die Schweiz hat inzwischen ein eigenes.

Apertus

Am 2. September 2025 veröffentlichten die ETH Zürich, die EPFL und das Schweizer Nationale Hochleistungsrechenzentrum CSCS das Modell Apertus. Der Name ist lateinisch für «offen» und beschreibt das Besondere daran: Nicht nur die Gewichte sind zugänglich, sondern auch die Architektur, die Trainingsdaten und die Rezepte des Trainings.

  • Zwei Grössen: 8 Milliarden und 70 Milliarden Parameter.
  • Lizenz: Apache 2.0, also auch kommerziell frei verwendbar.
  • Trainiert auf rund 15 Billionen Token in über 1000 Sprachen, 40 Prozent davon nicht englisch.
  • Enthält bewusst untervertretene Sprachen wie Schweizerdeutsch und Rätoromanisch.
  • Entwickelt mit Blick auf Schweizer Datenschutz- und Urheberrecht.
  • Verfügbar über Swisscom, Hugging Face und das Public-AI-Netzwerk.

Apertus ist nicht in jeder Disziplin auf dem Niveau der grössten kommerziellen Modelle. Für die Aufgaben, um die es in einer Buchhaltung geht, also Zahlen einordnen, Auswertungen formulieren, Texte entwerfen, sind offene Modelle dieser Klasse längst gut genug.

Wo Modelle in der Schweiz betrieben werden

Für die Datenhoheit ist die Herkunft des Modells zweitrangig. Entscheidend ist, wo die Inferenz stattfindet, also wo Ihre Anfrage tatsächlich gerechnet wird. Mehrere Schweizer Anbieter betreiben Sprachmodelle im Land:

AnbieterAngebotAusrichtung
InfomaniakOffene Modelle wie Llama, Mistral, Qwen, dazu Whisper; OpenAI-kompatible SchnittstelleKMU und Entwicklung
SwisscomKI-Plattform auf eigener Infrastruktur, Apertus als InferenzdienstGrössere und regulierte Kunden
ExoscaleGPU-Instanzen und Infrastruktur für eigene ModelleEigenbetrieb

Bilano nutzt Infomaniak. Die Verarbeitung findet in eigenen Rechenzentren in Genf und Zürich statt, auf ISO 27001-zertifizierter Infrastruktur. Es gibt keine US-Muttergesellschaft und damit keine Unterstellung unter den CLOUD Act, Anfragen werden weder gespeichert noch protokolliert, und der Betrieb läuft mit erneuerbarer Energie.

Worauf Sie bei «Schweizer KI» achten sollten

  1. Läuft die Inferenz wirklich in der Schweiz, oder nur die Benutzeroberfläche? Ein Schweizer Frontend vor einem amerikanischen Modell ist keine souveräne Lösung.
  2. Wer betreibt die Rechenzentren, und wem gehört dieses Unternehmen?
  3. Werden Anfragen protokolliert? Wenn ja, wie lange und wer kann sie einsehen?
  4. Welche Modelle kommen zum Einsatz, und werden Sie über einen Wechsel informiert?
  5. Gibt es Unterauftragnehmer im Ausland, etwa für Spitzenlasten?

Häufige Fragen

Was ist Apertus?

Ein offenes, mehrsprachiges Sprachmodell, das am 2. September 2025 von ETH Zürich, EPFL und CSCS veröffentlicht wurde. Es gibt Varianten mit 8 und 70 Milliarden Parametern unter Apache-2.0-Lizenz. Offengelegt sind nicht nur die Gewichte, sondern auch Trainingsdaten und Methodik.

Sind Schweizer KI-Modelle schlechter als ChatGPT?

Bei den anspruchsvollsten Aufgaben liegen die grössten kommerziellen Modelle weiterhin vorn. Für Auswertungen, Zusammenfassungen und Textentwürfe im Geschäftsalltag ist der Unterschied gering, während der Unterschied bei der Datenhoheit erheblich ist.

Muss das Modell aus der Schweiz stammen, damit meine Daten geschützt sind?

Nein. Massgebend ist, wo die Inferenz läuft und wer den Betreiber kontrolliert. Ein offenes Modell amerikanischer Herkunft, das in Genf auf Schweizer Infrastruktur betrieben wird, schützt Ihre Daten besser als ein Schweizer Modell, das über einen US-Dienst angesprochen wird.

Ihre Buchhaltung fragen, ohne dass sie das Land verlässt.

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